OVHcloud — das ist der französische Mastodon. Ein Unternehmen, das eigene Rechenzentren baut, Server konstruiert (ja, wirklich — OVH-Server aus eigener Entwicklung) und Millionen Kunden weltweit bedient. Ihr VPS ist nicht einfach nur „eine Billig-VM", sondern ein vollwertiges Produkt mit leistungsstarker Infrastruktur dahinter. Aber es gibt Nuancen.
VPS-Produktlinie: Von der Schreibmaschine zum Raumschiff
Stand Juli 2026 bietet OVH Folgendes:
| Tarif | vCPU | RAM | Speicher | Traffic | Preis/Monat (ca.) |
|---|---|---|---|---|---|
| Starter | 1 | 2 GB | 20 GB SSD | Unlimited | ~€3,50 |
| Value | 1 | 2 GB | 40 GB SSD | Unlimited | ~€5,00 |
| Essential | 2 | 4 GB | 40 GB NVMe | Unlimited | ~€7,50 |
| Comfort | 4 | 8 GB | 80 GB NVMe | Unlimited | ~€13,00 |
| Elite | 8 | 16 GB | 160 GB NVMe | Unlimited | ~€26,00 |
Alle Tarife beinhalten unlimitierten Traffic — und das ist kein Marketing-Trick. OVH drosselt die Bandbreite wirklich nicht. Port: 100 Mbit/s bei Starter, 250 Mbit/s bei Value, 500 Mbit/s bei Essential und Comfort, 1 Gbit/s bei Elite. Ehrlich und ohne Überraschungen.
Hardware und Infrastruktur
OVH setzt Intel Xeon und AMD EPYC Prozessoren der neuesten Generationen ein. NVMe-SSDs in den höheren Tarifen, normale SSDs in den unteren. Alles läuft in den eigenen Rechenzentren des Unternehmens: Frankreich (Roubaix, Gravelines, Straßburg), Deutschland, Großbritannien, Polen, Kanada (Québec), USA (Oregon), Singapur, Australien, Indien. Über 40 Rechenzentren weltweit — du kannst den Standort wählen, der deiner Zielgruppe am nächsten liegt.
Ein besonderes Thema: Kühlung. OVH verwendet eine selbst entwickelte Wasserkühlung. Server stehen in offenen Racks ohne Klimaanlagen im Serverraum. Klingt verrückt, funktioniert aber: Der PUE-Wert (Stromeffizienz) gehört mit etwa 1,1 zu den besten der Branche.
DDoS-Schutz: VAC
OVH ist berühmt für sein Anti-DDoS-System namens VAC (VACuum cleaner — ja, sie haben den Schutz „Staubsauger" genannt). Im Preis jedes VPS enthalten. Das ist nicht einfach SYN-Cookie-Filterung, sondern ein vollwertiges mehrstufiges System mit Machine Learning zur Anomalieerkennung.
Bei einem Angriff aktiviert sich VAC automatisch. Der Traffic läuft für einige Stunden durch den Filter und schaltet sich dann ab. Du kannst das manuell über das Panel steuern: permanenten Schutz aktivieren (Game-Modus für Gameserver) oder komplett deaktivieren, falls er stört.
In der Praxis: Hält Angriffe bis zu 1,7 Tbit/s stand (OVH-Rekord). Zum Vergleich: Cloudflare bewältigt bis zu 15 Tbit/s, kostet aber auch entsprechend.
Vorteile
Erstens: Preis/Leistung. Für €3,50 bekommst du einen vollwertigen VPS mit Root-Zugriff und unlimitiertem Traffic. Wettbewerber bieten für dieses Geld Shared Hosting.
Zweitens: DDoS-Schutz inklusive. Wenn dein Projekt auch nur theoretisch Ziel eines DDoS-Angriffs werden könnte (Gameserver, kontroverses Forum, wettbewerbsintensive Nische) — ein starkes Argument.
Drittens: Ökosystem. Neben VPS bietet OVH Public Cloud, Dedicated Server, Objektspeicher, Managed Kubernetes, Datenbanken als Service. Wächst du aus dem VPS heraus, ziehst du im selben Rechenzentrum mit minimalen Änderungen auf Dedicated um.
Viertens: Viele Rechenzentren. Wenn deine Zielgruppe weltweit verteilt ist — wichtig.
Fünftens: Flexibles Control Panel. Snapshots erstellen, OS neu installieren, Kernel wechseln, Ressourcen überwachen, Reverse DNS verwalten.
Nachteile
Erstens: Support. Hier ist OVH traditionell schwach. Der Basis-VPS kommt ohne Managed-Support. Soll dir jemand nginx konfigurieren? Geh ins Forum (OVH hat übrigens eine großartige Community auf Englisch und Französisch). Bezahlter Support kostet extra und ist, laut Bewertungen, nicht überragend.
Zweitens: Dokumentation. Verstreut, teilweise veraltet, auf Französisch. Selbst grundlegende Dinge muss man manchmal googeln. Nicht das Niveau von DigitalOcean mit ihren legendären Tutorials.
Drittens: KYC (Verifizierung). Bei der Registrierung kann OVH Dokumente anfordern: Pass-Scan, Adressnachweis. Besonders wenn du aus einem Nicht-EU-Land kommst. Der Prozess kann mehrere Tage dauern. Unangenehm, wenn du den Server sofort brauchst.
Viertens: CPU-Leistung bei Starter. Eine vCPU im kleinsten Tarif ist wirklich schwach. Spürbar beim Bauen von Docker-Images, Kompilieren, Rendern. Für einen Webserver reicht es, für Schwereres nimm Essential oder höher.
Fünftens: Seltsame Sperren. Gelegentlich sperrt OVH Kunden ohne Erklärung. Meistens wegen ToS-Verstoß (Spam, Mining, Torrents mit raubkopierten Inhalten). Aber es gibt auch Fehlalarme. Halte Backups an einem anderen Ort.
Vergleich mit Wettbewerbern
- Contabo bietet mehr Ressourcen fürs gleiche Geld, aber Overselling und langsames Netzwerk in unteren Tarifen. OVH gewinnt bei CPU-Stabilität und Netzwerkqualität.
- Hetzner Cloud — Hauptkonkurrent. Ähnliche Preise, Gigabit-Port ab den unteren Tarifen (bei OVH erst ab Elite), exzellente API. Aber weniger Rechenzentren und schwächerer DDoS-Schutz.
- Vultr / DigitalOcean — teurer, aber mit stundenweiser Abrechnung und entwicklerfreundlicherem Ansatz.
Für welche Aufgaben geeignet
OVH VPS — eine ausgezeichnete Wahl für:
- Production-Webserver (Nginx/Apache + PHP/Node.js)
- Gameserver (CS2, Minecraft, Rust — DDoS-Schutz rettet)
- VPN-Server (WireGuard/OpenVPN)
- Mailserver
- Dev/Staging-Umgebungen
- SaaS-Hosting auf Einsteigerniveau
- File-Storage und Backup-Server
Nicht geeignet für:
- ML-Training (kaum GPU, nicht in der VPS-Linie)
- Hochleistungs-Datenbanken (lieber Dedicated)
- Projekte mit 24/7-Sofort-Support-Bedarf
- Aufgaben mit garantierter CPU-Leistung
Fazit
OVHcloud VPS ist ein „Arbeitspferd". Nicht das schnellste, nicht das schönste, nicht mit der freundlichsten Oberfläche. Aber es läuft, geht nicht kaputt und kostet vernünftiges Geld. Wenn du bereit bist, Einstellungen selbst zu erledigen und keine Angst vor französischer Dokumentation hast — eine der besten Optionen am Markt.
8/10. Minuspunkt für Support, Minuspunkt für KYC und seltsame Sperren. Alles andere ist auf Niveau.