Netcup ist ein deutscher Hosting-Anbieter, der seit 2001 existiert. Ja, die sind schon ein Vierteljahrhundert am Markt. Das Unternehmen wuchs in der Nische „günstig und leistungsstark" und hat in dieser Zeit Kultstatus unter Nerds, Webmastern und Hosting-Enthusiasten erlangt. Website: netcup.eu.
Warum redet man überhaupt über Netcup?
Weil sie es schaffen, vollwertige VPS und Root Server günstiger zu verkaufen als einen Kaffee am Berliner Flughafen. Im Ernst: Der Tarif RS 1000 G11 (4 vCPU, 8 GB RAM, 256 GB NVMe) kostet €5,75 im Monat ohne Vertragsbindung. Das ist kein Tippfehler.
Wo ist der Haken? Drei Dinge:
- Vertragsmodell. Die Rabattpreise gelten bei 12- oder 24-monatiger Vertragsbindung. Monatliche Zahlung ist etwa 50 % teurer.
- Deutsche Bürokratie. Für die Registrierung brauchst du Reisepass oder Personalausweis sowie Adressbestätigung. Nicht so einsteigerfreundlich wie DigitalOcean mit E-Mail-Registrierung.
- Steuern. Für Nicht-EU-Kunden ohne MwSt. (also noch günstiger). Aber mit Steuerfragen musst du dich selbst beschäftigen.
VPS-Tarife
Die VPS-Linie von Netcup heißt vServer. Das Einstiegsmodell:
| Parameter | vServer 1000 |
|---|---|
| vCPU | 2 |
| RAM | 2 GB |
| NVMe | 50 GB |
| Traffic | 40 TB |
| Preis | €3,25/Monat |
Beachte: 40 TB Traffic. Nicht 1 TB, nicht 5 TB. Vierzig. Das reicht sogar für Video-Hosting auf Einsteigerniveau.
Das größte vServer-Modell geht bis zu 12 vCPU, 48 GB RAM und 600 GB NVMe für €25/Monat mit Vertrag.
Root Server — wenn du mehr Leistung brauchst
Ein besonderes Netcup-Feature ist die Root Server-Linie. Das sind dedizierte CPU-Kerne (keine vCPU mit Overselling), vollwertige Ressourcen ohne Nachbarn. Der kleinste RS 1000 bietet:
- 4 dedizierte AMD EPYC Kerne
- 8 GB DDR5 ECC
- 256 GB NVMe
- 1 Gbit/s Port
- €5,75/Monat (12-Monats-Vertrag)
Die größeren Modelle reichen bis 32 Kerne, 128 GB RAM und mehrere Terabyte NVMe. Die Preise sind, wieder einmal, deutlich unter Marktniveau.
Software und Control Panel
Netcup nutzt ein benutzerdefiniertes Panel: CCP (Customer Control Panel). Sieht aus wie ein Relikt aus den 2010ern, aber funktional ist alles da: Serververwaltung, DNS, Domains, Reverse-DNS, Snapshots, Backups, ISO-Images für die Installation.
Unterstützte Betriebssysteme: Alle gängigen Linux-Distributionen (Ubuntu, Debian, CentOS, Rocky Linux, AlmaLinux) sowie Windows Server (Lizenz gegen Aufpreis).
Erwähnenswert: Netcup ist offizieller Domain-Registrar. Du kannst Domain und Server an einem Ort kaufen. Domainpreise marktüblich: .de etwa €5/Jahr, .com €12/Jahr.
Zuverlässigkeit
In all den Jahren hatte ich zwei Vorfälle mit Netcup: einen geplanten Hypervisor-Neustart (eine Woche Vorankündigung), einen kurzen Netzwerkausfall (30 Minuten, Nürnberger Rechenzentrum). Ansonsten liegt die Uptime bei etwa 99,95 %.
Die Daten liegen in Nürnberger Rechenzentren — dem Haupt-Hub von Netcup. Geografisch redundante Backups gibt es nicht, also mach selbst Backups.
Fallstricke
Was du vor der Registrierung wissen solltest:
- Verifizierung ist Pflicht. Ohne Ausweisdokument keine Registrierung. Der Prozess dauert 1-2 Tage.
- Oberfläche auf Deutsch und Englisch. Kein Problem, die Hosting-Terminologie ist Standard.
- Support auf Englisch und Deutsch. Englische Anfragen werden ordentlich beantwortet. Geschwindigkeit: 1 Stunde bis 1 Tag.
- Widerrufsfrist. Nach deutschem Recht 14 Tage, aber der Server wird erst nach Zustimmung zur sofortigen Bereitstellung aktiviert.
Fazit
8.5/10. Wenn du bereit bist, die deutsche Verifizierung zu durchlaufen und einen Jahresvertrag abzuschließen — Netcup bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis am Markt. Root Server für €5,75 sind schlicht beispiellos.
Nicht geeignet für alle, die sich in 2 Minuten per E-Mail registrieren und monatlich ohne Bindung zahlen wollen. Für solche Szenarien gibt es DigitalOcean, Hetzner Cloud, Vultr.