WeWeb und Bubble tauchen ständig in denselben Listen der “besten No-Code-App-Builder” auf, sind aber grundverschiedene Werkzeuge. Bubble ist ein Monolith: Frontend, eigene Datenbank, Workflow-Engine und Managed Hosting in einem Login. WeWeb ist ein Interface-Builder, der standardmäßigen Vue.js-Code ausgibt und seine Daten aus einem Backend bezieht, das Sie selbst kontrollieren.
Genau dieser Unterschied – nicht die Feature-Liste – entscheidet, welches Tool zu Ihrem Projekt passt. Dieser Vergleich behandelt beide Produkte ehrlich: Architektur, Design, Preise, Mobile, SEO und vor allem die Frage, was in drei Jahren aus Ihrer App wird.
Websites: weweb.io | bubble.io
Wo der No-Code-Markt 2026 steht
Bubble gibt es seit 2012 und war lange die Standardantwort auf “eine Web-App ohne Entwickler bauen”. Das Versprechen ist einfach: alles an einem Ort, Sie müssen nie über Datenbanken, Server oder Deployment nachdenken.
WeWeb, ein Produkt aus Bordeaux, kam 2021 in eine andere Nische: nicht “ersetze deinen Entwickler”, sondern “beschleunige die Frontend-Arbeit”. Die Idee: Ein Designer oder Full-Stack-Entwickler stellt die Oberfläche visuell zusammen und erhält sauberen Vue.js-Code, den er überall hosten kann.
Das prägende Ereignis 2026 war WeWebs Start eines nativen Backends am 8. April: WeWeb Tables (Postgres), integrierte Authentifizierung, Dateispeicher und automatisch generierte CRUD-APIs. Davor war WeWeb strikt Frontend und benötigte ein externes Backend (Supabase, Xano, Airtable). Jetzt ist es dem Full-Stack deutlich näher – ältere Vergleiche sind damit teilweise überholt.
WeWeb: ein Frontend-Builder mit Code-Export
WeWeb erzeugt eine Single-Page-Application (SPA) in Vue.js 3, die im Browser läuft. Es ist ein entkoppeltes Frontend: Das Tool besitzt die Oberfläche, schreibt aber nicht vor, wo Ihre Daten liegen.
Architektur und Backend-Flexibilität
Das Standard-Setup verbindet sich mit jeder Datenquelle über REST, GraphQL, Supabase, Xano, Airtable oder eine einfache SQL-Datenbank. Geschäftslogik und Zugriffskontrolle liegen im Backend, WeWeb übernimmt die Darstellung.
Für manche Teams ist das ein Plus (volle Kontrolle), für andere ein Minus (man braucht Backend-Kenntnisse). Ehrlich formuliert: WeWeb ist ein halber Stack. Ohne technisches Know-how im Team lernt man entweder Supabase/Xano oder holt sich jemanden, der es kann.
Design und pixelgenaue Kontrolle
Das ist WeWebs stärkste Seite. Die Oberfläche ist bis hin zum CSS anpassbar, mit Figma-Import, Unterstützung für NPM-Pakete und eigenen Vue.js-Komponenten. Marketingseiten, mehrsprachige Websites und komplexe Design-Systeme entstehen in WeWeb deutlich schneller als in Bubble.
Wenn visuelle Qualität und Lighthouse-Werte zählen, ist das der entscheidende Faktor.
WeWebs natives Backend (April 2026)
Das neue Backend liefert relationale Postgres-Tabellen, auto-generierte CRUD-APIs, integrierte Authentifizierung und Dateispeicher. Damit fällt das klassische Argument “WeWeb ist kein vollständiger Stack” – aber wenn Sie Ihr eigenes Backend mitbringen, nutzen Sie diese Funktionen womöglich nicht und zahlen dennoch im Plan dafür.
Copilot und KI
WeWeb bietet Copilot 2.0, einen KI-Generator für Oberflächen und Workflows, plus einen eigenen MCP-Server für die KI-Tool-Integration. Der Zugang zu KI-Funktionen läuft über Tokens, und Nutzer merken oft an, dass das minimale Token-Paket abgerechnet wird, auch wenn man es nie nutzt.
WeWeb-Preise
Nach der Reform 2026 teilt sich der Preis in zwei unabhängige Dimensionen:
- Seat-Plan – das Recht zu bauen, KI-Tokens und Code-Export. Stufen: Free, Essential, Pro, Partner.
- Hosting-Plan – Hosting in der WeWeb Cloud. Stufen: Free, Launch, Grow, Scale. Nur nötig, wenn Sie nicht selbst hosten.
Zentrale Zahlen (auf pricing.weweb.io prüfen – die Preise stiegen am 12. Februar 2026):
- Free – 0 $, nur Bauen und Vorschau, keine veröffentlichte Live-App.
- Essential – etwa 25–29 $/Monat, inklusive Code-Export und GitHub-Sync. Hier beginnt das Recht auf Self-Hosting.
- Pro – rund 50 $+/Monat pro Seat, ergänzt Zusammenarbeit und Team-Funktionen.
- Hosting (Launch/Grow/Scale) – separat vom Seat-Plan, wenn Sie in der WeWeb Cloud hosten.
Das Kernprinzip: Sie zahlen für Seats und Hosting, nicht für Traffic. Nutzeraktionen oder Datenbankabfragen treiben die Rechnung nie in die Höhe.
Bubble: eine All-in-One-Full-Stack-Plattform
Bubble ist eine komplette No-Code-Entwicklungsumgebung. Eine Oberfläche vereint visuellen Editor, proprietäre grafische Datenbank, serverseitige Workflow-Engine, Plugin-Marktplatz und Managed Hosting. Mit über 400 Mitarbeitern und mehr als 150 Mio. $ Kapital ist das ein ernstzunehmendes Unternehmen.
Alles in einer Box
Diese Monolithik erklärt, warum ein nicht-technischer Gründer von null aus ein Produkt starten kann – keine Datenbank zu verkabeln, kein Backend zu konfigurieren, kein Deployment zu lernen. Der Preis dafür ist klar: Code lässt sich auf keinem Tarif exportieren. Eine Bubble-App kann man nicht mitnehmen, nur die Daten.
Workload Units: das verbrauchsbasierte Modell
Bubble misst Last in Workload Units (WU): ein Seitenaufruf sind etwa 0,5–2 WU, eine komplexe Suche 10–50 WU. Die Pläne enthalten ein WU-Paket, Überschreitung kostet 0,30 $ pro 1.000 WU.
Die Pakete liegen bei rund 50.000 WU im Free-Plan, 175.000 bei Starter, 250.000 bei Growth und 500.000 bei Team. Die praktische Konsequenz: Ihre Rechnung folgt dem Traffic und der App-Logik, nicht dem Geschäftswert, und ist vor dem Start kaum vorherzusagen. Ein viraler oder saisonaler Schub kann eine deutliche Nachzahlung auslösen.
Plugins und native Mobile-Apps
Bubbles Stärke ist das Ökosystem: über 1.000 Plugins mit Ein-Klick-Integrationen für Stripe, Twilio, OpenAI und Google Maps. Dazu ein Vorteil, den WeWeb gar nicht hat – ein nativer Mobile-App-Builder für iOS und Android auf React-Native-Basis mit Veröffentlichung im App Store und bei Google Play.
Bubble-Preise
Aktuelle Tarife (auf bubble.io/pricing prüfen – Quellen variieren je nach Datum):
- Free – 0 $, echte Live-App auf einer bubble.io-Subdomain, keine eigene Domain.
- Starter – etwa 29–32 $/Monat, 175.000 WU, eigene Domain.
- Growth – rund 119–134 $/Monat, 250.000 WU, bis zu 2 Editoren.
- Team – etwa 349–399 $/Monat, 500.000 WU, bis zu 5 Editoren, Sub-Apps.
- Mobile – eigene Linie für native Apps, ab ~49–59 $/Monat.
- Enterprise – individuell.
Direkter Vergleich
- Architektur – WeWeb: Frontend + externes oder natives Backend; Bubble: Monolith (Frontend + DB + Logik + Hosting).
- Code-Export – WeWeb: ja, standardmäßige Vue.js-SPA; Bubble: keiner, zu keinem Preis.
- Self-Hosting – WeWeb: ja, ab Stufe Essential; Bubble: nein, nur Cloud.
- Datenbank – WeWeb: Ihre (Postgres/Supabase/Xano/Airtable); Bubble: proprietär.
- Abrechnung – WeWeb: pro Seat und Hosting, kein Verbrauchsmetering; Bubble: pro WU, skaliert mit Last.
- Design und Layout – WeWeb: volle Kontrolle, Figma-Import, NPM; Bubble: eingeschränkter, braucht Workarounds.
- Mobile-Apps – WeWeb: kein nativer Build; Bubble: ja, iOS/Android über React Native.
- Plugins – WeWeb: weniger, aber NPM und Vue-Komponenten; Bubble: 1.000+ per Klick.
- Einstiegshürde – WeWeb: Backend-Kenntnisse nötig; Bubble: minimal, alles an einem Ort.
- Lock-in-Risiko – WeWeb: gering (eigener Code, eigenes Backend); Bubble: hoch (Umzug = Neuentwicklung).
Preise in der Praxis: zwei Szenarien
Einzelentwickler, kleine Live-App. WeWeb: Essential (~25 $/Monat) + Self-Hosting auf Vercel/Netlify (oft 0–20 $) + Backend (Supabase Free oder ~25 $/Monat). Gesamt rund 25–50 $/Monat ohne Traffic-Überraschungen. Bubble: Starter (~29–32 $/Monat), doch mit wachsender Aktivität und Premium-Plugins steigt die echte Rechnung auf 80–150 $/Monat.
SaaS-Team mit 5 Personen. Bei WeWeb sind das mehrere Seat-Pläne plus Hosting und Backend – die Summe kann Bubble Team erreichen, besonders im WeWeb-Cloud-Hosting. Bei Bubble ist es der Sprung zu Growth/Team plus WU-Überschreitungen bei Spitzen. Fazit: WeWeb ist beim Abo günstiger, aber nicht automatisch in der Summe – Backend und Hosting sind separate Posten. Bubble kostet mehr auf dem Preisschild, bündelt aber Datenbank und Hosting.
SEO und Performance
WeWeb liefert eine Vue.js-SPA, die über ein CDN schnell lädt; beim Self-Hosting kontrollieren Sie Caching, Domain und das Server-Side-Rendering vollständig. Für SEO-sensible Projekte und Landingpages ist das ein Vorteil.
Bubble läuft auf geteilter Infrastruktur, was bei komplexen Seiten die Geschwindigkeit beeinträchtigen kann. Integrierte Funktionen wie Server-Workflows und Suche beschleunigen die Entwicklung, kosten aber WU.
Vendor-Lock-in und Migration
Das ist der Faktor, den die meisten Teams am Anfang ignorieren und später am teuersten bezahlen.
Bubble exportiert keinen Code – nur Daten. Bubble zu verlassen bedeutet praktisch, die Anwendung neu zu bauen. Praktiker schätzen eine Migration Bubble → WeWeb auf rund drei Monate. Wer langfristig baut, sollte diesen Preis vorab kennen.
WeWeb erzeugt standardmäßigen Vue.js-Code, unterstützt Self-Hosting und GitHub-Sync. Ihr Projekt bleibt ein Asset, das Sie von der Plattform mitnehmen können. Für ambitionierte Produkte, finanzierte Startups oder Teams mit Anforderungen an die Code-Eigentümerschaft ist das das stärkste Argument für WeWeb.
Für wen was geeignet ist
Wählen Sie Bubble, wenn: Sie ein nicht-technischer Gründer sind und möglichst schnell eine funktionierende Full-Stack-App wollen; Sie native Mobile-Apps für App Store und Google Play brauchen; Ihnen ein Marktplatz mit tausend fertigen Plugins wichtig ist; Sie einen moderaten, planbaren Traffic erwarten.
Wählen Sie WeWeb, wenn: Sie Kontrolle über Design und Layout wollen; Sie den Code besitzen und unabhängig vom Anbieter bleiben möchten; Sie bereits ein eigenes Backend haben oder betreiben wollen; SEO und Ladezeit zählen; Sie langfristig bauen und skalieren wollen.
Fazit
WeWeb und Bubble sind kein klares “Bubble gewinnt automatisch” mehr. Mit seinem nativen Backend (April 2026) hat WeWeb die größte Lücke geschlossen, und die traffic-freie Abrechnung nimmt die Angst vor unvorhersehbaren Rechnungen. Andererseits bleibt Bubble der schnellste Weg von der Idee zur fertigen App und der einzige der beiden, der native Mobile-Apps veröffentlichen kann.
Eine einfache Regel: Bubble, wenn Geschwindigkeit und die All-in-One-Box am wichtigsten sind; WeWeb, wenn Kontrolle, Code und Design am wichtigsten sind. Muss Ihr Produkt Jahre leben und wachsen, tendieren Sie zu WeWeb. Wollen Sie eine Hypothese so schnell wie möglich ohne technisches Team testen, starten Sie mit Bubble.
FAQ
Ist WeWeb günstiger als Bubble? Beim Abo meist ja, weil kein Verbrauchsmetering anfällt. In der Summe nicht unbedingt: Backend und Hosting werden separat berechnet.
Kann ich Bubble später verlassen? Daten ja, Code nein. Ein Umzug bedeutet Neuentwicklung.
Brauche ich für WeWeb einen Entwickler? Für die Oberfläche nein. Für das Backend faktisch ja, es sei denn, Sie administrieren Supabase, Xano oder einen eigenen Server selbst.
Was hat sich 2026 geändert? Bei WeWeb: ein natives Backend (WeWeb Tables, Auth, Dateispeicher, CRUD-APIs) und eine Preisreform mit Seat- und Hosting-Plänen. Bei Bubble: dasselbe WU-Modell, weiterhin kein Code-Export.
Sind beide für E-Commerce geeignet? Ja. In Bubble über Plugins und eigene Workflows, in WeWeb über ein externes Backend und Zahlungs-APIs. Für umfangreichen, stark frequentierten E-Commerce wählen Teams häufiger WeWeb wegen der planbaren Abrechnung.