Netcup vs Hetzner: Deutsche Klassiker
Deutschland — die Heimat günstiger, hochwertiger VPS. Zwei Namen dominieren diesen Markt: Netcup und Hetzner. Beide sitzen in deutschen Rechenzentren, beide bieten ein unglaubliches Preis-Leistungs-Verhältnis. Aber der Teufel steckt wie immer im Detail.
Tarife: VPS und Root Server
Wichtige Nuance vorab: Hetzner unterscheidet normale VPS und „Root Server" (im Grunde dedizierte vCPU auf einem Hypervisor ohne Overselling). Auch Netcup unterscheidet vServer und Root Server, aber die Grenzen sind fließender.
Einstiegstarife — los geht’s:
| Anbieter | Tarif | vCPU | RAM | NVMe | Traffic | Preis |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Netcup | vServer VPS 1000 G11 | 4 | 4 GB | 256 GB | 80 TB | €5,75/Monat |
| Hetzner | CX22 (VPS) | 2 | 4 GB | 40 GB | 20 TB | €4,39/Monat |
| Netcup | RS 1000 G11 | 4 (dedicated) | 8 GB | 256 GB | ∞ | €10,50/Monat |
| Hetzner | AX42 (Root) | 6 (dedicated) | 8 GB | 128 GB | 20 TB | €12,00/Monat |
Netcup bietet kolossal viel Speicher — 256 GB NVMe beim kleinsten vServer. Das ist untypisch für den Markt. Hetzner ist beim Speicher bescheidener, dafür beim Einstieg etwas günstiger.
Bei den Root Servern herrscht etwa Gleichstand: Hetzner etwas teurer, aber mit mehr Kernen. Netcup schenkt unlimitierten Traffic — für Streaming, CDN und Backup-Server ein entscheidender Faktor.
CPU-Performance
Hetzner setzt AMD EPYC der 2. und 3. Generation bei VPS ein, bei dedizierten Root Servern sogar Desktop-Ryzen. Performance pro Kern: über Marktniveau, stabil und berechenbar. Overselling in der VPS-Linie vorhanden, aber moderat.
Netcup verwendet AMD EPYC in den neuesten G11-Tariflinien. Besonderer Pluspunkt: dedizierte Kerne (Dedicated Cores) zu vernünftigem Aufpreis. Das bedeutet: Deine 4 Kerne sind wirklich deine 4 Kerne, ohne Nachbarn.
Benchmark-Tests (UnixBench, Geekbench) zeigen, dass ein einzelner Hetzner-Kern etwas schneller ist, aber Netcup kompensiert das durch die großzügige Kernanzahl in den Tarifen.
Netzwerk und Rechenzentren
Beide sitzen in Deutschland:
- Hetzner: Falkenstein, Nürnberg (Hauptstandorte), plus Finnland (Helsinki) und USA (Ashburn, Hillsboro). Eigenes Netzwerk, Peering mit DE-CIX, AMS-IX, LINX. Ping nach Europa: 2-20 ms.
- Netcup: Karlsruhe, Nürnberg. Nur Deutschland. Auch starkes Peering, aber geringere geografische Abdeckung.
Hetzner gewinnt bei der Standortanzahl. Für internationale Projekte ein Plus. Netcup bietet nur deutsche RZs, aber mit exzellenter Anbindung innerhalb Europas.
SLA und Zuverlässigkeit
Hetzner garantiert 99,9 % SLA für VPS und Root Server. Tatsächliche Uptime der letzten Jahre: nahe 99,95-99,99 %. Vorfälle kommen vor (der Brand im Rechenzentrum 2023 ist allen in Erinnerung), aber insgesamt ist die Infrastruktur erstklassig.
Netcup verspricht dieselben 99,9 %. Unabhängige Überwachungen bestätigen die Stabilität. Grobe Ausfälle wurden seltener beobachtet als beim Konkurrenten, aber die Kundenbasis ist auch kleiner.
Faktisch halten beide das Niveau. Ernsthafte Downtime alle paar Jahre — das ist Markt, nicht Anbieter.
Panels und Software
Hetzner nutzt die Weboberfläche Cloud Console. Modern, schnell, mit API, CLI und Terraform-Provider. Snapshots, Volumes, Firewalls, Cloud-init — alles da. Für DevOps ein Traum.
Netcup setzt auf das Server Control Panel (SCP). Funktional, aber archaisch. Arbeitet zuverlässig, aber Design aus den Nullerjahren. API vorhanden, aber Dokumentation schwächer als bei Hetzner. Trotzdem: OS-Neuinstallation, Reverse-DNS, Backups — alles ohne großen Aufwand machbar.
Für flexible Infrastruktur (Terraform, IaC) — eindeutig Hetzner. Für einen statischen Server, den man einrichtet und vergisst — Netcup nicht schlechter.
Versteckte Nuancen
Bei Netcup gibt es eine Besonderheit: Mindestvertragslaufzeit von einem Jahr (mit monatlicher Zahlung). Kündigung möglich, aber einen Monat vor Ablauf. Preise ohne Rabatt (nach Promo-Phase) steigen — lies die Bedingungen genau.
Bei Hetzner keine Vertragsprobleme: monatliche Zahlung, jederzeit kündbar. Aber Nuance: Registrierung erfordert Verifizierung — Reisepass oder Personalausweis. Nicht alle kommen beim ersten Mal durch, besonders von außerhalb der EU. Und bei Zahlungsverzug kann der Server ohne Vorwarnung hart gesperrt werden.
Was wählen
Die Wahl läuft auf drei Kriterien hinaus:
Netcup — wenn:
- Du anormal viel Speicherplatz für kleines Geld brauchst
- Unlimitierter Traffic kritisch ist (Streaming, Backups, Filehosting)
- Das Projekt langfristig ist, ein Jahresvertrag nicht abschreckt
- Keine multiregionale Infrastruktur benötigt wird
Hetzner — wenn:
- Rechenzentren in Finnland oder USA gebraucht werden
- Das Ökosystem wichtig ist (Terraform, API, Cloud)
- Freiheit zählt: monatlich zahlen, jederzeit gehen
- Das Projekt DevOps-orientiert mit Autoscaling ist
Für ein Pet-Project für €5 würde ich Netcup nehmen — 256 GB Speicher eröffnen unzählige Möglichkeiten. Für ein Startup mit Wachstumsperspektive — Hetzner: einfacher zu skalieren, mehr Tools.